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Die japanische Sprache

Wenn Ausländer zum ersten Mal mit Japanisch, was auch oft mit chinesisch verwechselt wird, konfrontiert werden, sind sie oftmals erstaunt und ratlos zugleich. Nicht als Schrift, sondern als "Gemälde" wird es betrachtet, die bestaunt aber nicht wirklich verstanden wird. Und dieser erste Einblick schreckt oftmals ab, sich weiter in diese Sprache zu vertiefen. "Unmöglich lernbar" oder "zu schwierig" wird oft behauptet. Doch entspricht es wirklich der Wahrheit?

1. Geschichte 2.2.a Hiragana 4.2. Gegenwartsform
1.1. Sprache 2.2.b Katakana 4.3. Vergangenheitsform
1.2. Schrift 2.3 Übersicht 4.4. Zukunft
2. Japanische Schrift 3. Shodô 4.5. Yoshi
2.1. Kanji 3.1. Über Shodô 5. Aussprache
2.1.a On-yumi 3.2. Zitat Suiko Shimon 5.1. Selbstlaute
2.1.b Kun-yomi 4. Satzaufbau 5.2. Mitlaute
2.2 Kana 4.1. Satzgliedfolge 6. Abschluss

1. Geschichte

1.1. Sprache

Es wird angenommen, dass die japanische Sprache sich zwischen dem 3. Jahrhundert vor Christus bis zum 3. Jahrhundert nach Christus manifestierte. Im wei-chih, einem chinesischen Geschichtswerk, das im 3. Jahrhundert n. C. entstand, werden einige Wörter, hauptsächlich Namen, der damaligen Bewohner Westjapans wiedergegeben, die der heutigen Sprache ähneln. Da es damals noch keine Schrift gab, sind keine direkten Sprachzeugnisse überliefert.

Ebenso ist aus der Yamato-Zeit (3. - 7. Jh. ) kaum etwas überliefert, obwohl in jener Epoche schon die chinesische Schrift nach Japan gelangte und einige Namen und Wörter mit ihr festgehalten wurden. Anhand der spärlichen Überlieferung kann man die Sprache der Yamato-Zeit als einen Vorläufer des Altjapanischen des 7. und 8. Jahrhunderts, welches belegbar und durch Quellen abgesichert ist, anerkennen.

Danach werden die Perioden der japanischen Sprachentwicklung entsprechend der Geschichtsepochen eingeteilt, die nach ihrem politischen und kulturellen Zentren benannt sind. Eine schlagwortartige Charakterisierung der einzelnen Sprachperioden könnte wie folgt aussehen:

1. Periode Konsolidierung und Konzentrierung Nara-Zeit (8Jh.), Heian-Zeit (9.-12. Jh)
2. Periode Zerstreuung und Ausgleich Kamakura (13.-14- Jh), Muromachi (14.- 16. Jh.)
3. Periode Zwei Zentren in Gegenüberstellung Edo (17. Jh.- 1868)
4. Periode Ein Zentrum und Vereinheitlichung ab Meiji-Zeit (ab 1868)

In ihrer überschaubaren Geschichte von 13 Jahrhunderten hat die japanische Sprache nur wenige Veränderungen in ihrem Grundgefüge erlebt.

Altjapanisch wurde im wesentlichen durch die Sprache der Nara-Zeit übermittelt. Damals waren die Sprachen Yamatos, also Zentraljapans, sowie die der Ostgebiete bekannt, die schon Dialekte erkennen lassen. Die Schrift war chinesisch und wurde auch zur Niederschrift des japanischen Sprachguts verwendet, weiterhin wurden chinesische Zeichen benutzt, um japanische Lautsilben wiederzugeben. Die ersten und ältesten Literaturdenkmäler, die in japanisch verfasst wurden geben Auskunft über die Sprache jener Epoche und in Resten über die älterer Sprachepochen.

Während der Heianzeit, welche einen Übergang zwischen Alt- und Mitteljapanisch darstellt, verlagerte sich das Sprachzentrum nach Kyôto. Obwohl die Entwicklung der Dialekte nicht verfolgt werden kann, scheinen sie gegen Ende der Heian-Zeit durch Machtzuwachs des Provinzadels Einfluss auf die Hochsprache ausgeübt zu haben. Viele chinesische Wörter werden der japanischen Grammatik angepasst und als Adjektive, Adverbien oder Verben verwendet. Weiterhin entwickelt sich die typische Mischschrift aus Wortschriftzeichen und den aus ihnen entstandenen Silbenschriften. In Heian-Zeit wurde die Nationalsprache ausgeformt und die Schriftsprache hob sich schon deutlichen vom Chinesischen ab.

Die Sprache der Kamakura- und Muromachi- Zeit ist das Mitteljapanisch. Hochsprache war weiterhin die Sprache von Kyôto, jedoch erlangten regionale Dialekte durch die politische Dezentralisierung höheres Gewicht. Die Höflichkeitssprache, die sehr durch den interpersonalen Bezug bestimmt war gelangte in dieser Zeit zu ihrer Blüte und eine Fülle von Personalpronomen v.a. für die erste und zweite Person entstand. Die ersten Kontakte mit Portugiesen und Spaniern haben nur einen sehr geringen Einfluss, der sich in der Übernahme einiger weniger Fremdworte bemerkbar macht.

In der Edo-Zeit beginnt die Entwicklung des Neujapanischen. Diese Periode der Sprachentwicklung ist durch eine sprachliche Teilung gekennzeichnet, denn neben den alten Sprachzentrum von Kyôto und Ôsaka entstand ein neues in Edo, dem heutigen Tokyo. Zwar lag in der ersten Hälfte dieser Epoche das wirtschaftliche, kulturelle und auch sprachliche Schwergewicht bei Kyoto und Ôsaka, jedoch verlagerte es sich in der zweiten Hälfte nach Edo, also in den Bereich des Kantô-/ Ostdialektes, der dann auch einen wesentlichen Einfluss besaß und so auf die heutige Standard- und Hochsprache einwirkte. Während der Edo-Zeit traten die Dialekte stark in Erscheinung und das Dialektgemisch der Bewohner Edos hat ebenfalls Einfluss auf die Stadtsprache. So entstanden z.B. die heute noch gebräuchlichen Negationsformen -nai oder -nakatta.

Der Umbruch Japans, der mit den Reformen der Meiji-Zeit einsetzte, brachte sprachgeschichtlich keine grundlegenden Veränderungen mehr. Edo wurde zur Hauptstadt und Kaiserresidenz erklärt, so dass die Stadtsprache endgültig zur offiziellen Hochsprache wurde. Die sehr traditionelle Schriftsprache wurde zugunsten einer der Umgangssprache sehr nahe stehenden Form umgebaut, Wörter für neue Begriffe oder Inhalte wurden unter Benutzung chinesischer Bedeutungsträger neu gebildet und viele Fremdwörter wurden übernommen. Durch Modernisierungen im Wortschatz, hauptsächlich durch die Sprachreform, die in der Schrift sehr deutlich zum Ausdruck kommt, kam es zu einer Angleichung von geschriebener und gesprochener Sprache.

(Quelle: H. Hammitzsch: Japan-Handbuch, Franz Steiner- Verlag, 3. Auflage)

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1.2. Schrift

Die Herkunft der japanischen Schrift ist nicht eindeutig belegbar. Es gibt mehrere Versionen, wie sie zu ihrer Schrift gelangt sind. Zum einen sollen chinesische Mönche sie nach Japan gebracht haben. Zum anderen soll es durch kulturellen und politischen Beziehungen zur Übernahme der chinesischen Schriftzeichen gekommen sein. Aber alle Erzählungen haben etwas gemeinsam: Entstehungszeit und -grund. Eine, noch nicht erwähnte, Erzählung ist am glaubhaftesten, da sie mit allen Merkmalen der japanischen Schrift übereinstimmt:

Die Japaner hatten eine eigene Sprache, aber keine eigene Schrift dazu. Etwa im 4. Jahrhundert entschloss sich der Kaiser Schiffe in andere Länder zu schicken, um dort eine geeignete Schrift zu finden. Die Schiffe fuhren, ziellos, in alle Richtungen los. Ein Schiff kam per Zufall über Korea nach China und brachte die chinesische Schrift mit nach Japan zurück, ohne Rücksicht auf ihre Bedeutungen. als die Schrift nun übernommen wurde, kam es zu einem Problem. Die chinesischen Schriftzeichen waren jeweils nur für einen einsilbigen Laut angedacht, während die japanische Sprache unter anderem auch zweisilbige Laute hatte.

794- 1185 entstand deshalb die damals onnade= Frauenschrift, weil vorwiegend Frauen/ Hofdamen damit schrieben, genannte Lautsilbenschrift. Heute ist diese Schriftart bekannt unter dem Namen Hiragana. Wenig später entstand auch die Katakana, die besonders von Mönchen als Lesehilfe für chinesische Texte genutzt wurde. Schriftzeichen, die sogenannten Kanji, Hiragana und Katakana wurden anfänglich getrennt verwendet und erst später zusammen gebraucht.

Es wurde auch versucht mit Lateinbuchstaben zu schreiben. Da aber viele Wörter gleich gesprochen werden und nur mit Kanji zu unterscheiden sind, setzte sich dieser Versuch nicht wirklich durch. Bis die japanische Schriftsprache perfektioniert wurde, hatte es noch einige Jahre gebraucht.

Im 16. Jahrhundert wurden einige portugiesische, spanische und holländische Wörter übernommen, wie z.B. koffie -> koohii. Im 19. Jahrhundert kamen dann deutsche, englische und französische Wörter hinzu, wie z.B. Rucksack -> ryukkusakko oder knife -> naifu. In den laufenden Jahren wurden immer mehr Fremdwörter übernommen, besonders aus den Bereichen der Technik, Wissenschaft, Ernährung und Freizeit.

1980 sprachen 117 Millionen Japaner japanisch und einige 100000 Ausländer ( gaijin), besonders in den USA, Hawaii und Südamerika. Die Zahl der japanisch Sprechenden ist im Durchschnitt größer als die der deutsch Sprechenden.

Ein Beispiel für die Veränderung der japanischen Sprache und Schrift durch Chinesisch ist z.B. erkennbar in den Städtenamen.

Z. Bsp. Auf Japanisch heißt Osten -> higashi. Als nun die chinesische Schrift nach Japan gebracht wurde, wurde auch der chinesische Laut dung -> Osten übernommen. So nannten die Japaner den Osten ähnlich ->tou/ tô.

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Das Zeichen für Osten ist: (1) . Es setzt sich zusammen aus dem Sonnenzeichen (2) und dem Baumzeichen (3). Das Zeichen (1) ins deutsche übersetzt bedeutet: Sonne hinterm Baum = Sonnenaufgang, weil die Sonne immer im Osten hinter den Bäumen aufgeht.

Auf chinesisch heißt Norden -> pe (bei). Das Zeichen dafür ist (4) . Auf Japanisch heißt Hauptstadt miyake und chinesisch heisst es chin = jing. Auch diesmal nahmen die Japaner das chinesische Wort an und nannten Hauptstadt um in king = kyou/ kyô. Das chinesische Zeichen dafür ist (5), welches eine Steinlaterne, wie sie nur in der Hauptstadt vorkamen, darstellt. Mit diesen Zeichen entstanden die Hauptstädte von China und Japan: Tôkyô (6) und Peking/ Beijing (7).

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2. Japanische Schrift

Das japanische Schriftsystem ist eines der kompliziertesten. Verwendet wird eine komplexe Wort- und Silbenschrift, die aus den chinesischen Piktogrammen und zwei von der chinesischen abgeleiteten Lautschriften besteht. Zwischen den Wörtern werden keine Leerzeichen gesetzt und nur durch bestimmte Partikel ist erkennbar , wo ein Wort zu Ende ist. Verwendete Satzzeichen sind der Punkt, in Form eines kleinen Kreises, das Komma, Anführungszeichen in Form von rechten Ecken und ausgefüllte Punkte als Trennzeichen. Ein wichtiger Punkt um die Zeichen zu Ordnen sind Strichfolge und -zahl.

2.1. Kanji

Kanji bedeutet übersetzt: Kan = Han- Volk und ji = Schrift. Es sind aus dem chinesischen übernommene Piktogramme und wird benutzt für Begriffswörter, einheimische sowie chinesische Eigennamen, Wortstämme von Verben und Adjektiven. Die Chinesen haben in etwa 40´000 Zeichen, während die Japaner insgesamt 20´000- 30´000 Zeichen haben. Im Normalgebrauch, inklusive Fachliteratur benötigen sie rund 6000 - 7000 Kanji. Aber ein Japaner beherrscht in Durchschnitt nur ca. 3000 Kanji. Die Japaner hören also nie auf, neue Kanji zu erlernen. In der Sprach- und Schriftreform von 1946 wurde 1850 "chinesische Schriftzeichen zur gegenwärtigen Verwendung" = tôyô-kanji festgelegt, jedoch sind rund 3300 nötig um eine Zeitung zu lesen. Am Ende ihrer Schulzeit können sie also in etwa 2000 Kanji. Mehrere tausende von zusammengesetzten Kanji kommen dann auch noch dazu, um z.B. Zeitungslektüren verstehen können. Man sagt, wenn ein Ausländer 6 Jahre lang, 3 Stunden täglich Kanji übt, dann kann er mit Hilfe eines Wörterbuches eine Tageszeitung lesen.

Kanji können auf zweierlei Weise gelesen werden:

a) On- yomi: Dies ist die chinesische bzw. sino-japanische Lesung. Die chinesischen Kanji wurden direkt übernommen und nur ihre Lesung/ Töne den japanischen angepasst. Man unterscheidet drei on- Lesungen, je nach der chinesischen Lautung zum Zeitpunkt der Übernahme und den Besonderheiten japanischen Lautersetzung (denn die Japaner haben und hatten ein anderes Lautsystem).

Go'on Kan'on Tôin
verbreiteteste Lesart, die fast jedes Kanji besitzt; Entlehnungen 8.- 10. Jh. auf älteste Entlehnungen beschränkte Lesart (4.- 8. Jh.) Zusammenfassung aller späteren Entlehnungen v.a. im Mittelalter

Durch unterschiedliche Lesungen einzelner Zeichen ergeben sich oft Bedeutungsunterschiede.

b) Kun- yomi: Es ist die japanische Lesung. Chinesische Wörter sind an sinnverwandte japanische Begriffe angepasst worden. Auch hier gilt, dass ein Kanji oft durch unterschiedliche Lesung eine andere Bedeutung hat. Ebenso besitzen japanische Orts- und Personennamen oft eigene Lesungen.

Eine grobe Regel zur Unterscheidung der Lesungen ist, dass man die On- Lesung oft in zusammengesetzten Worten und die Kun- Lesung meist im Umfeld von Kana findet/ verwendet.

Ein Beispiel für verschiedene Lesungen:

Kun-Lesung: ookii = groß
chinesisch: da = groß
On-Lesung: tai = groß

Die Mehrzahl der Kanji kann in beiden yomi gelesen werden, aber nicht immer. Eine große Anzahl von Kanji besitzt mehrere on- bzw. kun- Lesungen, eben weil sie verschiedene Bedeutungen hat.

2.2. Kana

Die beiden Silbenschriften entstanden ebenfalls aus chinesischen Schriftzeichen, die vereinfacht dargestellt wurden. Jede Kana- Silbenschrift besteht aus jeweils 46 Grundzeichen, die pro Zeichen aus 1- bis 4 Strichen bestehen. Sie präsentieren den gesamten Lautbestand de japanischen Sprache. D.h. jeder beliebige Text lässt sich in Kana schreiben. Darum sollte man gleich zu Beginn des Studiums beide Formen erlernen.

Ein japanisches Buch wird von hinten nach vorne und von rechts oben nach links unten gelesen. Aber es hat sich auch der europäische Stil von rechts nach links durchgesetzt. Beide Varianten sind in Japan geläufig. Das gleiche gilt auch beim Schreiben.

Kinder lernen erst die Kana, weshalb die Kinderbücher auch in Kana geschrieben sind. Später sind einzelne, leichte Kanji, eventuell mit rubi- Lesehilfe, mit beinhaltet, je nach altersgerichteter Lektüre.

a) Hiragana: Hira bedeutet leicht und kana inoffizielle Schreibweise. Sie ist die "glatte und vollständige Kana", denn sie ist eher runder und gefälliger. Zu ihrer Entstehungszeit im Verlauf des 8. Jahrhunderts trug diese Schrift auch den Namen Frauenschrift, weil sie vorrangig von den Hofdamen benutzt wurde, so z.B. das Kopfkissenbuch der Hofdame Sei Shonagon. Hiragana werden verwendet für grammatikalische Bestimmungen wie Flexionen, Endungen, Vorsilben, Endungen oder Partikel (= yoshi), die im Chinesischen nicht vorhanden sind. Des weiteren benutzt man sie für nicht in Kanji geschriebene Wortarten und Wörter.

b) Katakana: Kata bedeutet bruchstückhaft. Sie besteht aus "als Teilstück entlehnten Zeichen". Die Katakana sind vom Aussehen her eher kantig und eckig. Während sie früher wie Hiragana verwendet wurden, benutzt man sie heute vorrangig für Fremdwörter, ausländische Namen, zur hervorhebung einzelner Wörter z.B. in der Werbung oder wenn man die Lesung von Kanji angibt, die nicht zu den tôyô- Kanji gehören.

Übersicht

Kanji
Sinn- und Bedeutungsträger der Nomen, Verben, Adjektive, etc.
Hiragana
Partikel, Verbendungen, flektierte Endungen, grammat. Bestimmungen
Katakana
Fremdwörter, -namen, Lesung von nicht tôyô-kanji, Hervorhebung, etc.

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3. Shodo

3.1. Über Shodo

Shodo ist nicht, wie allgemein üblich, mit Kalligraphie übersetzbar, sondern treffender mit Schreibkunst. In Japan war das Schreiben von Anfang an eine Kunstform, die bis heute noch als solche angesehen wird. Diese Kunst gilt als ältere Schwester der Tuschemalerei. Bevorzugt werden Kanji für Shodo verwendet. Jedoch beherrschen nur noch wenige Japaner diese Kunst, da sie im Alltagsleben keine Verwendung findet. Diese besondere Art der japanischen Schrift ist langsam am Aussterben.

Mit einem weichen, sensiblen und elastischen Haarpinsel, der schnell auf Druck und Atmung reagiert wird auf speziellem Papier "gemalt" bzw. geschrieben. Wasser, Tusche, Reibestein und eine Tuschestein sind weitere notwendige Utensilien, um Shodo, den Weg der Schrift, zu praktizieren. Die Anschaffungskosten betragen in etwa 800,- bis 5000,- DM. Doch mit dem ist es noch nicht getan. Der Künstler muss seinen Körper und seinen Geist mit einbringen. Das Streben nach höchster Konzentration zu sich selbst, um innere Freiheit, Ruhe und Ausgeglichenheit zu finden. Hand, Körper und Geist bilden eine vollkommene Einheit. Das Aus- und Einatmen im richtigen Moment: beim Strichziehen einatmen und beim Aufdrücken ausatmen. Erst wer das alles beachtet und beherrscht, kann sich in Shodo üben.

Shodo erlernt man normalerweise bei jemandem, der schon ein Meister im Shodo ist. Shodo beginnt schon in der Vorbereitung der Materialien, was man durch ständige Konzentration und genaue Beobachtung des Meisters lernt. Zur Vorbereitung gehört z.B. das Herstellen des faserreichen, saugfähigen Papiers (Washi), das schon seit über 1600 Jahren aus Maulbeerbaumrinde und Quellwasser besteht und das Anreiben der schwarzen Tusche aus Kiefernruß und Wasser. Schon mit der Vorbereitung beginnt der künstlerische Akt, das Einstimmen auf das Schreiben. Als erstes übt man sich darin, den Stil des Meisters zu erlernen und durch ständiges Üben zu "kopieren". Erst wenn man dies nach jahrelangem Studium des Shodos erreicht hat, entwickelt man seinen eigenen Stil und wird selber Meister.

3.2. Suiko Shimon

" Im Washi sind nicht nur Sanftheit und die fühlbare Spur der Seele eines Menschen zu erahnen. Es vermittelt auch etwas über den Charakter seines Schöpfers"

Suiko Shimon ist shogonsai, d.h. eine Meisterin des Shodo, den sie an der Kaiserlichen Kunsthochschule in Kyoto studierte und wo sich auch ihren Meistertitel verliehen bekam. Das besondere an ihrem Shodo ist, dass sie meist mehrere Pinsel gleichzeitig verwendet und dass sie die Kanji verändert, was sie selber als bokuchu = "abstrakte Tuschmalerei" bezeichnet.

Ihre Schriftzeichen sind nicht dazu da, gelesen sondern betrachtet zu werden. Neben dem Bedeutungsteil der Kanji liegt die Mitteilung auch in den Formen, den Farben, der Flächenaufteilung, der Harmonie und der Spannung der Zeichen und ihrer Darstellung.

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4. Satzaufbau

Der Satzaufbau ist im Großen und Ganzen sehr leicht, da er eine konstante Satzgliedfolge besitzt und Wörter sich kaum verändern, sobald eine neue Zeitform auftritt. So besitzen nur die wenigsten Substantive eine extra Pluralform, was es natürlich andererseits erschwert zu erkennen, ob nun z.B. ein Schuh oder mehrere gemeint sind. Ebenso besitzen die Verben nur eine Konjugationsform für alle Personen.

4.1. Satzgliedfolge

Es gilt immer das gleiche Schema: Subjekt - Objekt/adverbiale Bestimmung/etc - Prädikat.

watashi ha
doitsujin
desu.
Ich
Deutsche
bin.

Dieses Schema gilt für Aussage-, Frage-. Haupt- und Nebensätze.

4.2. Gegenwartsform

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1 --> Watashi ha gakusei deha arimasen. | Ich bin kein Student.
2 --> Shikashi nihongo wo benkyou shimasu. | Aber ich lerne Japanisch.
3 --> Nakamura-san ha nihongo no sensei desu ka. | Ist Herr Nakamura Japanisch-Lehrer?

Die oben aufgeführten Sätze stehen in der sog. Höflichkeitsform. Dies erkennt man vor allem an den Verbendungen -masu für das positive Präsens und -masen für das verneinte Präsens. Das Hilfswort "ka" kennzeichnet Fragesätze und steht stets am Ende des Satzes. Die Satzstruktur sieht dann wie folgt aus: Subjekt - Objekt- Prädikat - ka. Das "ka" ersetzt das Fragezeichen, dieses kann, muss aber nicht, mit hingeschrieben werden.

4.3. Vergangenheitsform

Sie wird mit -mashita für das bejahte, -masen deshita für das verneinte Präteritum. Im Gegensatz zum Deutschen werden im Japanischen die Adjektive der Zeitform angeglichen. -Katta ist die Endung für die positive Vergangenheit, -kunakatta für die negative (i-Adjektive).

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3

1 --> Watashi ha yomimashita. | Ich habe gelesen. (yomimasu >> yomimashita)
2 --> Sore ha muzukashikatta desu. | Das war schwierig. (muzukashii >> muzukashikatta)
3 --> Watashi ha kirei deha arimasen deshita. | Ich war nicht hübsch.

Verb oder Prädikat ändern sich nur geringfügig und der Satzbau bleibt gleich.

4.4. Zukunftsform

Diese Form wird mit -deshô/ -mashô gebildet und steht ebenfalls am Ende des Satzes. Die Verneinungsform lautet dementsprechend -masen deshô.

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3

1 --> Kakimashou! | Lasst uns schreiben!
2 --> Watashi ha kaku deshou. | Ich werde schreiben.
3 --> Watashi ha kakanai deshou. | Ich werde nicht schreiben.

Wenn in den Sätzen schon durch Zeitangaben oder aus dem Kontext klar wird, dass die Zukunft gemeint ist, so wird die Zeitbildungsform meist weggelassen.

4.5. Yoshi - "Hilfswörter"

(Findet man auch unter dem Namen Partikel.) Es gibt für Hauptwörter, also Nomen, weder Geschlecht, Anzahl, Mehrzahl oder Beugung. Deswegen werden yoshi benutzt, die als Hilfe dienen. Es sind kleine unveränderliche/ -bare Wörter, die immer unmittelbar hinter dem betreffenden Hauptwort stehen. Beispiele:

wa/ ha kennzeichnet das Thema des Satzes, worüber eine Aussage gemacht wird,...
ga betont das Subjekt, aber,...
ni kennzeichnet Ort, wo sich etwas befindet, Zeitangaben, Ziel einer Bewegung,...
wo markiert das direkte Objekt, das mit dem dt. Akkusativobjekt vergleichbar ist; den Ort einer Bewegung,...
de weist auf Mittel hin, mit denen eine Handlung durchgeführt wird, sowie auf den Ort einer Handlung,...
to Bedeutung 'und' / 'mit jemandem zusammen',...
no verbindet zwei Hauptwörter, stellt Zugehörigkeit dar,...
ka Fragepartikel = kennzeichnet Fragen
he für Richtung oder Zielort

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5. Aussprache

Die Aussprache ist sehr wichtig, damit die Japaner verstehen und wissen, was gemeint ist. Oftmals führt ein nicht korrekt ausgesprochenes Wort zu Verwechslungen und Mißverständnissen, da sich viele Wörter einander sehr ähneln. Ein Beispiel: sensei = Lehrer <=> zensei = blühender Zustand.

Um das Japanische in die lateinische Schrift zu übertragen gibt es mehrere Systeme, wie z.B. das Nippon-shiki, das fast nur in Japan als Lesehilfe für ausländische Studenten oder internationale Umschreibungen genutzt wird und die Hepburn-Umschrift, die im Ausland sehr verbreitet ist und auch in dieser Einführung verwendet wurde. Die Hepburn-Umschrift ist stark an Englisch angelehnt, woraus sich auch ein Großteil der Ausprache ergibt.

5.1. Selbstlaute

Die Vokale werden in etwa wie im Deutschen ausgesprochen.

> Kurze Vokale > Lange Vokale
a hell wie in Katze
e offen wie in essen
i geschlossen wie in kitzeln
o geschlossen wie in so
u offen wie in Hund
â wie Aachen
ê wie gehen
î langes i wie in Bier
ô offenes o wie offen, aber lang
û langes u

Oft werden u und i zwischen stimmlosen Mitlauten fast bzw. gänzlich "verschluckt", z.B. shikashi =shkashi oder Shunsuke =Shunske.

5.2. Mitlaute

Sie werden teils wie im Deutschen ausgesprochen, orientieren sich aber mehr an der englischen Aussprache. Einige Mitlaute jedoch sind gänzlich anders.

f zwischen h und f z.B. fuku = wehen
h am Wortanfang ch, ansonsten h z.B. Hiromi (Name)
g in der Mitte eines Wortes wie ng, ansonsten g z.B. nagai = lang
n am Wortende leicht nasiert z.B. hon = Buch
r zwischen r, d und l z.B. rooba = Esel
s immer stimmlos wie ß z.B. sensei = Lehrer
w wie das englische w z.B. watashi = ich
sh heller als das deutsche sch z.B. Shunsuke (Name)
ch wie der japan. sh-Laut + t-Vorschlag ('tsch') z.B. chiisai = klein
ts wie z z.B. tsuuyaku = Dolmetscher
z stimmhaftes s z.B. zannen = Bedauern

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6. Abschluss

Japanisch ist ohne Frage eine der schwierigsten Sprachen, die wir kennen, die trotz allem aber erlernbar ist. Anders als beim ersten Eindruck muss man sagen, dass das Sprechen an sich keine besondere Schwierigkeit darstellt. In manchen Bereichen ist sie sogar leichter erlernbar. Und sonst gilt das gleiche Prinzip wie für andere fremde Sprachen auch: Vokabeln lernen. Lediglich die Schrift, insbesondere die Kanji, ist eine Schwierigkeit, die den anfänglichen Eindrücken fürwahr entspricht. Aber auch Russisch Lernende, z.B., sind mit einer anderen Schrift und ein paar Fällen konfrontiert, die auch erst einmal gelernt sein wollen. Fakt ist: Wer ohne Motivation und Ziel die japanische Sprache erlernen möchte, wird über kurz oder lang aufgeben oder erst gar nicht damit beginnen. Denn Japanisch fordert viel Zeit, Geduld und Aufmerksamkeit.

(c) Doreen Dost/ Janette Bergmann, 2001

 

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