Sitten und Gebräuche
| 1. Einleitung | 3. Geschäftsleben | 4. Zusammenfassung |
| 2. Allgemeine Informationen | a. Respekt | 5. Quellen |
| a. An- & Einreise | b. Visitenkarten | |
| b. Währung und Preise | c. Verhandlungen & Diskussionen | |
| c. Sprache | d. Präsente | |
| d. Feiertage | e. Restaurant | |
| e. Verkehrsmittel | f. Persönliche Kontakte |
1. Einführung
In Japan, dem wohl „westlichsten“ der asiatischen Länder, spielen trotz aller Modernität traditionelle Werte und Gebräuche noch immer eine entscheidende Rolle. Die Mehrheit der Japaner sieht sie als verbindlich an und erwartet daher von sich und anderen, dass diese teilweise strenge Etikette eingehalten wird. Das Nichteinhalten dieser Konventionen bedeutet ein Gesichtsverlust, der einem Verlust der Würde anderen gegenüber gleichkommen kann.
Gleichzeitig erkennt man aber auch, dass Ausländer als Nichtjapaner diese in ihrer Gesamtheit weder kennen noch verstehen können und zeigt daher Nachsicht. Trotzdem ist es für Japanbesucher unerlässlich, wenigstens die Grundregeln zu wissen und zu befolgen. Diesen Regeln zu folgen heißt nicht nur Respekt zu zeigen, sondern auch Missgeschicken aus den Weg zu gehen.
a) An- und Einreise
Die Anreise aus Deutschland ist mit dem Flugzeug ab Frankfurt / Main oder Berlin möglich. Von dort gelangt man mehrmals in der Woche mit Direktflügen der japanischen Airlines ANA (All Nippon Airways) oder JAL (Japan Air Line) nach Japan. Der Flug dauert ca. 12 bis 13 Stunden und führt über Russland zu den internationalen Flughäfen Narita / Tokyo, Kansai / Osaka sowie Nagoya.
Bei Einreise ist eine „Disembarkation card for foreigners“ auszufüllen und bei der Passkontrolle einzureichen. Diese erhält man bequem im Flugzeug. Für Urlaubsaufenthalte bis 30 Tage ist kein Visum nötig, bei längeren Aufenthalten sowie bei anderen Gründen muss ein Visum vorher in Deutschland beantragt werden. Da dies u. U. recht lange dauern kann, sollte man sich ca. 3 – 4 Monate vorher bei der Botschaft bzw. Generalvertretung erkundigen.
Die japanische Währung ist der Yen (¥). Es wird keine Untereinheit, ähnlich Cent oder Pfennig, verwendet. In Umlauf sind 1-, 5-, 10-, 50-, 100- sowie 500-Yen-Münzen und 1000-, 5000-, 10.000-Yen-Scheine. Alle Banknoten und Münzen geben den Wert in japanischen als auch in arabischen Zahlen wieder.
Die japanische Mehrwertsteuer beträgt z. Z. 5 %. Bei den Preisen ist darauf zu achten, dass diese oft ohne Mehrwertsteuer ausgewiesen werden, die erst an der Kasse aufgeschlagen wird.
Neben der Landessprache Japanisch werden zwar andere Sprachen, z. B. Englisch, an den Schulen gelehrt, jedoch kaum gesprochen und angewandt. Daher lohnt es sich, sich vor Reiseantritt die wichtigsten Redewendungen und Begriffe einzuprägen.
Verkehrszeichen, z. B. U-Bahn-Stationen, werden meist in japanischen Schriftzeichen, den Kanji, und in lateinischen Buchstaben angebracht. Straßen besitzen keine Namen, oft tragen dagegen Kreuzungen eine Bezeichnung. Da Häuser außerdem nach der Reihenfolge ihrer Erbauung nummeriert werden, ist eine Wegbeschreibung durch den Gastgeber unerlässlich.
Wie in anderen Ländern auch, entwickelte sich in Japan eine eigene Körpersprache. Dabei ist vor allem zu beachten, dass man nicht mit dem Finger, sondern mit der ganzen Hand auf andere Personen zeigt. Um jemanden zu sich zu rufen, winkt man mit der Hand auf und ab. Dies sollte nicht mit dem deutschen Abschiedsgruß verwechselt werden. Um darzustellen, dass etwas unmöglich ist, kreuzen Japaner die Unterarme vor dem Oberkörper.
Folgende Feiertage werden in Japan offiziell begangen. Fällt einer der festen Tage auf einen Sonntag, wird der darauffolgende Montag zum Ausgleichsfeiertag.
| 01.01. | Neujahrstag |
| 2. Montag im Januar | Tag der Erwachsenen |
| 11.02. | Tag der Staatsgründung |
| 20.03 | Frühlingsanfang |
| 29.04. | Tag des Grüns |
| 03.05. | Tag der Verfassung |
| 05.05. | Tag der Kinder |
| 3. Montag im Juli | Tag des Meeres und der Marine |
| 20.09. | Tag der Ehrerbietung vor dem Alter |
| 23.09. | Herbstanfang |
| 2. Montag im Oktober | Tag der Gesundheit und des Sport |
| 03.11. | Tag der Kultur |
| 23.11. | Tag des Dankes für die Arbeit |
| 23.12. | Geburtstag des Kaisers |
Des Weiteren sollte man auch die „Golden Week“ beachten, in deren Verlauf sich ab dem 29.04. mehrere Feiertage in sieben Kalendertagen häufen, was gerne für einen Urlaub genutzt wird.
Aufgrund der großen Entfernungen innerhalb des Landes ist das Flugzeug eines der wichtigsten Verkehrsmittel. Ein gut ausgebautes Flugnetz sorgt für eine schnelle Beförderung. Ebenso so gut ausgebaut ist das Schienennetz, das insbesondere mit dem Schnellzug Shinkansen eine gute Möglichkeit bietet, schnell und bequem zwischen den Großstädten zu verkehren. Meist ist jedoch ein Flug preislich günstiger als eine Zugfahrt.
Bahnhöfe erkennt man an dem „JR“-Zeichen (Japan Railway), U-Bahn-Höfe sind mit einem roten geschwungenen „S“ gekennzeichnet.
Zum Autofahren wird eine Übersetzung des eigenen Führerscheins ins Japanische benötigt. Diese erhält man bei der deutschen Botschaft oder dem japanischen Automobilverband gegen eine Gebühr. Es herrscht Linksverkehr.

a) Respekt
Die angemessene Zeugung von Respekt ist eine der wichtigsten Grundlagen der japanischen Etikette. Dabei handelt es sich zum einen um die sprachliche als auch die körperliche, in Form der Verbeugung, Ehrerbietung.
Die allgemeine Respektsform ist das Suffix „–san“. Es wird einfach an den Nachnamen angehangen und unter Geschäftsfreunden, Gleichaltrigen und Mitarbeitern gleichen Ranges verwendet. Gegenüber Ranghöheren und bedeutenden Personen wird jedoch „-sensei“ verwendet. Dabei kann es zu Schwierigkeiten kommen, wenn man im Umgang mit zwei Personen unterschiedlichen Ranges, jedoch höher als der eigene, die passende Form wählen muss. Beide Formen entsprechen in etwa dem deutschen „Herr“ oder „Frau“.
Bei der Verbeugung gilt als Faustregel: Je höher der Rang des Gegenüber, desto tiefer die eigene Verbeugung. Sie wird bei Begrüßung, Verabschiedung, Bitte, Dank etc. praktiziert. Oft verbeugen sich Japaner sogar am Telefon.
Als Geschäftsreisender sollte man in Japan immer einen ausreichenden Vorrat an Visitenkarten dabei haben, da ihre Überreichung den Beginn einer jeden gegenseitigen Vorstellung darstellt. Neben der Firma und dem Namen, möglichst mit Aussprache versehen, ist die Position im eigenen Unternehmen eine wichtige Angabe für die korrekte Anrede und Einordnung.
Die Visitenkarte wird mit beiden Händen, Schrift zum Gegenüber, überreicht, während man sich noch einmal mit eigenen Worten vorstellt. Es ist in Japan üblich, Visitenkarten beim Empfang aufmerksam zu studieren, selbst wenn man kein Japanisch kann. Danach sollte man sie gut verstauen und auf keinen Fall einfach achtlos in die Hemd- oder Hosentasche stecken oder gar vergessen. Die Visitenkarte repräsentiert die Person.
c) Verhandlungen und Diskussionen
Wie in vielen asiatischen Kulturen ist es auch in Japan unüblich Widerspruch offen zu zeigen oder lautstark zu diskutieren. Man sollte sich daher immer um Ruhe bemühen und außerdem damit rechnen, dass die Verhandlungen am Anfang sehr schleppend erscheinen können. Geschäftsgespräche gehen Japaner tatsächlich sehr ruhig an, ist jedoch erst einmal ein Kompromiss gefunden, kann es gar nicht schnell genug gehen.
Steht eine Diskussion auf dem Zeitplan der japanischen Gastgeber, ist zu bedenken, dass man damit in Japan meist nur eine Möglichkeit zum Meinungsaustausch meint, aber keine „echte“ Diskussion im deutschen Sinne.
Generell ist es eine Pflicht, dem Gastgeber, egal ob geschäftlich oder privat, für seine Gastfreundschaft mit einem Präsent zu danken. Gut geeignet sind typische Souvenirs oder Spezialitäten der eigenen Region.
Ebenso wichtig ist die Geschenkverpackung, die es Japaner bei unliebsamen Präsenten ersparen soll, Freude vorspielen zu müssen. Daher werden Geschenke meist auch erst ausgepackt, wenn der Gast abgereist ist.
Westlichen Besuchern bieten Restaurants den Vorteil, dass alle angebotenen Gerichte im Fenster als Modell bereitstehen und man, ohne die Karte lesen zu können, sich schnell für ein Gericht entscheiden kann. Betritt man die Gaststätte, bekommt man ohne Bestellung und ohne Aufpreis meist gleich ein Glas Wasser oder Tee serviert. Menschen mit empfindlichem Magen sollten beachten, dass japanisches Leitungswasser stark gechlort ist und daher leicht danach riecht und schmeckt. Am Schluss geht man mit der Rechnung, die man vom Kellner bekommen hat, zur Kasse, die sich meist am Ausgang befindet und zahlt. Trinkgeld wird nicht gegeben.
Nach Feierabend gehen Japaner gern noch mit den Kollegen „was trinken“. Da dies den Gemeinschaftssinn stärken soll, ist es nicht ratsam sich auszuschließen und man sollte wenigstens am Getränk nippen. Dabei sind folgende Gepflogenheiten zu beachten:
Man gießt sich nicht selber ein, auch nicht aus der eigenen Flasche, sondern lässt dies den Nachbarn tun. Wenn das Glas leer ist, sieht sich der Nachbar oder Gastgeber veranlasst, dieses nachzufüllen. Daher sollte man, wenn man nichts mehr trinken möchte, einen kleinen Rest im Glas lassen. Einzige Ausnahme ist Bier. Solange noch ein Rest im Glas ist, wird nachgeschenkt.
Nur in wenigen Restaurants werden Messer und Gabel angeboten. Das vorherige Erlernen des Umgangs mit Stäbchen erntet meist Anerkennung. Mit den Stäbchen zeigt man nicht auf andere Personen oder spickt sie in die Reisschale. Zur Ablage liegen kleine Stäbchenhalter bereit. Diese können verschiedenster Gestalt sein, von einfachen Holzklötzchen bis zu kunstvollen Keramikfiguren.
Trotz langer persönlicher Bekanntschaft ist nicht zu erwarten, dass Japaner Kollegen nach Hause einladen. Zum einen wegen der Enge der Wohnungen und zum anderen fürchtet man, als Gastgeber nicht aufmerksam genug zu sein.
Wird man dennoch eingeladen, sollte eine kleine Aufmerksamkeit mitgebracht werden. Die Schuhe werden im Eingangsbereich ausgezogen und mit der Spitze nach draußen abgestellt. Meist erhält man Hausschuhe, die jedoch auf den Tatami-Matten sowie im Bad, wo eigene Schuhe bereit stehen, wieder ausgezogen werden.

Dieser kurze Überblick umfasst nur einen kleinen Teil der japanischen Etikette und hilft die schwierigsten „Fettnäpfchen“ zu umgehen. Sollte es zu größeren Schwierigkeiten kommen, sollte man vor allem eines nicht vergessen: Lächeln! Und der Wille, sich den Gepflogenheiten anzupassen. Dies wird von Japanern hoch angerechnet und lässt sie auch kleinere „Vergehen“ übersehen.
5. Quellen
- www.botschaft-japan.de
- www.japan.co.jp/~pbw/tokyosub.htm
© Janette Bergmann, 2004 - Belegarbeit "Interkulturelle Kommunikation"

