Ein paar Worte zur Musik ...
Musik ist ein Bestandteil auf der ganzen Welt. Jedes Volk hat seine eigene Musik, in der es sein Land präsentiert, die Geschichte des Landes erzählt, die Kultur nahe bringt und ihre Weise des Denkens ausdrückt. Und jede Musik ist auf ihre Art und Weise faszinierend und doch fremd. Heutzutage jedoch verlaufen die Musikrichtungen der verschiedenen Länder ineinander. Somit wird das Fremde mehr und mehr bekannt. Diese Veränderungen gelangen in jedes Land. Bei den einen früher und bei den anderen später, unaufhaltsam. Man kann nicht sagen, dass es negativ ist, da somit eine Bindung von den verschiedensten Menschen entsteht und Musik zu einer Art Kommunikation wird. Und solange man die alten Lieder seines Landes in seinen Herzen trägt, so wird dies auch nicht aussterben.
Die Geschichte der japanischen Musik
In Japan wird die Musik sehr geschätzt. Sie präsentiert das Leben und die Geschichte. Ob jung oder alt, sie respektieren fast jede Richtung von Musik. Die Älteren hören ebenso Jugendmusik, wie die Jungen auch ab und zu traditionelle Musik hören. Man könnte auch sagen, dass die Japaner sehr aufgeschlossen sind, wobei jedoch jeder seine Bevorzugungen hat. Fast jeden Abend finden in Japan musikalische Aufführungen statt, auch klassische westliche Musik, zum Beispiel Opern, Rock, Jazz und japanischer Rock, aber auch traditionelle japanische Musik.
Am liebsten hören Japaner japanische Musik, ob nun Schlager, Rock oder Pop. Japaner, die westliche Musik gerne hören sind dagegen in der Minderzahl. Der Grund dafür ist, dass die westliche Musik erst spät Japan erreichte. Mitte der 90er überkam Japan die Welle der Computer-Musik. Die meisten Lieder stammten aus Europa. Eines der bekanntesten Albums, mit den Namen Eurobeat, wurde sogar auf den japanischen Markt gebracht. Aber auch japanische Komponisten, wie Tetsuya Komuro, nutzten die Klänge der westlichen Musik. Ende der 90er waren die Rock-Bands sehr angesagt und wurden verehrt. Jetzt sind es die weiblichen Solo-Sängerinnen, die ihre Aufmerksamkeit auf sich lenken.
Die Koexistenz von westlichem und klassisch japanischem Stil verleiht der Musikwelt des heutigen Japans eine in den meisten westlichen Ländern nicht gekannte faszinierende Vielfalt. Allerdings ist die traditionelle, nicht von europäischen Strömungen beeinflusste, Musik Japans für uns radikal verschieden von der polyphonen, in ein verbindliches Taktschema eingebundenen westlichen Musik. Es ist schwer sie spontan zu erfassen und sie klingt für uns unverständlich und ungewohnt. Daher ist auch in Deutschland die reine japanische Musik nicht sehr bekannt.
Die japanische traditionelle Musik
Die traditionelle Musik Japans steht in enger Beziehung zu Dramen, Tanz und anderen Künsten. Die Entstehung reicht bis zu Hunderten von Jahren zurück, die über die Zeit immer weiter geführt wurde. Meist handeln die Texte und Handlungen über die Geschichte Japans. Obwohl diese Richtung schon sehr alt ist, so ist sie dennoch sehr beliebt in Japan.
Gekennzeichnet wird sie durch die Vorherrschaft der Vokal- über die Instrumentalmusik. Und sie werden nur in japanisch gesungen oder auch gesprochen.
Trotz der Veränderungen blieb die japanische Musik gut erhalten. Klassische Formen werden nicht vernachlässigt. Viele Komponisten, einschließlich Miki Minoru und Ishii, sind aktiv für die moderne Kompositionen im traditionellen Stil. Sie engagieren sich besonders in den Richtungen der Koto-, Shakuhachi-Musik und dem westlichen Stil. Eine Gruppe, Nipponica, widmete sich der Kultivierung neuer japanischer Musik innerhalb der klassischen Traditionen. Geformt wurde sie 1964 und bestand aus bedeutenden Solisten und Komponisten.
Ein Orchesterraum ist mit japanischem Wind, Ketten und Schlaginstrumenten komplett. Das breite Repertoire kann mit allen, mit einigen oder ab und zu mit nur einzelnen Instrumenten genutzt werden. Bei einzelner Nutzung von Instrumenten dient es der Solo-Erfüllung, für Formen der Kompositionen von herankommenden Western-Stiles.
Die klassische westliche Musik
Mehr und mehr wird sie in Japan auf- und ausgeführt. Eine wachsende Anzahl der japanischen Künstler erhält höchste Anerkennungen, nicht nur in ihrem Heimatland, sondern sie machen sich auch einen guten Ruf im Ausland. Allein Tokyo hat neun Vollzeit-Symphonieorchester, die von der Barock-Zeit bis zu zeitgenössischer Musik alles spielen. Im Ausland treten die japanischen Orchester dennoch vermehrt mit zeitgenössischen japanischen Komponisten auf. Ebenso gibt es Ensemble, die nur mit japanischen Instrumenten spielen.
Seit den 70er Jahren wurden auch Werke für Taiko allein oder Taiko und Orchester komponiert. Dank der japanischen und westlichen Komponisten erleben Gagaku und Musik für Sho eine Wiederbelebung.
Neuerdings bevorzugt man das Improvisatorische und greift auf der Suche auf mehr als nur musikalische Musik zurück, die dennoch auf der Klangwelt und auf ästhetischen Prinzipien der traditionellen japanischen Musik basiert. Ein Beispiel dafür ist die Popmusik, die auch als „populäre Massenmusik" übersetzt werden kann.
Popmusik ins Japanische übersetzt heißt „Kayoukyoku".
Wie sich die traditionelle japanische neben der klassischen westlichen Musik gehalten hat, so existieren japanische und westliche Richtung auch im Bereich der Popmusik nebeneinander. Die Melodie der „neuen Musik" wird auf den Tonarten der westlichen Musik aufgebaut. Von der japanischen Musik wurde es nur wenig beeinflusst. Sozusagen unterscheidet sie sich nur wenig im Klang vom westlichen Stil. Eine Genre der Popmusik ist zum Beispiel „Technopops", dass sich erst jüngst entwickelt hat und auf Synthesizern gespielt wird.
Die Texte sind meist in Japanisch geschrieben, allerdings erhalten sie oftmals englische Ausdrücke oder haben einen englischen Titel. Stars, die in dieser Richtung Musik machen, sind sehr berühmt und treten oft im Fernsehen auf. Populär sind zum Beispiel:
Hikaru Utada
Sie wurde in New York geboren und wuchs mit Musik um sich herum auf. Beide Elternteile waren in der Popszene tätig. Ihr Vater war Produzent und ihre Mutter in den frühen 70ern Sängerin in Japan. Mit 10 Jahren schrieb Utada ihren ersten Song.
Tetsuya Komuro
Geboren wurde Tetsuya Komuro am 27. November 1985 in Tokyo, im Sternzeichen des Schützen und im Jahr des Hundes. Er ist eine besondere Person im japanischen Popbusiness. Komuro ist nicht nur der Produzent beliebter Gruppen, sondern spielt auch selbst in einer Gruppe namens „Globe" mit.
Ayumi Hamasaki
Hamasaki ist nach Utada die zweit-erfolgreichste Frau im Popbusiness. Sie ist bei Grund- und Mittelschülern, aber auch bei Erwachsenen sehr beliebt. Ihr Spitzname privat und in der Popbranche lautet Ayu. Ihr Debut war im April 1998. Sie hat 11 Alben und 21 Singles bisher veröffentlicht, davon sind 8 Remix-Versionen. Die meisten wurden über ein Million Mal verkauft. Herbst 2000 brachte sie ihr drittes originales Album unter dem Namen „Duty" auf den Markt. Dieses Album verkaufte sich mehr als drei Millionen Mal.

Was Ayu so besonders macht, sind ihre Lieder und ihr Erscheinungsbild auf der Bühne. In ihren Liedern präsentiert sie ihr „Ich". „Ich kann nicht Lügen schreiben. Und ich möchte keine fiktionalen Wörter singen. Ich möchte ehrlich und objektiv schreiben, über Erfahrungen von Freunden oder die ich gehabt habe". Nach jeden Song wechselt sie ihre Kleidung, die sie selbst eigens für die Bühnenauftritte entwirft. Das ist ihr Markenzeichen.
The Yoshida Brothers
Ryoichiro Yoshida ist 23 und Ken´ichi Yoshida 21 Jahre alt. Sie haben braune Haare, welches die Jugend Japans repräsentiert. Als Kontrast tragen sie aber japansiche Hakama (weite Kimono-Hosen), also traditionelle Kleidung. Sie machen Musik aus einer Kombination von Pop und Gitarre. Ihre Musik hat die Power von Rock-Musik und die Dynamik kommt von den Instrumenten. Generell spielen sie das Instrument Tsugaru Shamisen (ein traditionelles japanisches Instrument), was einen aggressiven Soundeffekt hat. Der Zuhörer hört aber aus den Songs nicht die klassische Musik heraus, welche aber vorhanden ist, und denkt es sei eine komplett neue Musikrichtung.

1999 kam ihre erste CD unter den Namen „Ibuki" heraus und wurde 90 000 mal verkauft. Die zweite CD folgte im November 2000, mit den Titel „Move". Auch diesmal war es mit 70 000 verkauften Alben ein großer Erfolg. Das Besondere auf diesem Album war der 8. Song. Es wurde mit Cajon, einem Instrument aus Peru, gespielt. Und andere Songs wurden unter anderem mit Otsuzumi, einer Art Taiko, begleitet. Die Brüder versuchen andere Instrumente in ihren Songs einzubringen, besonders aber aus den Bereichen des Jazz und Folk. Beide haben eine unterschiedliche Art zu spielen. Ryoichiro kommentierte: „Wenn wir einzeln spielen, so können wir unsere eigene Art ausdrücken. Wenn wir zusammen spielen, dann spielt Ken´ichi im kräftigen Stil, während ich Lyrical spiele". Ryoichiro weiter über ihre Pläne für die Zukunft: „Ich möchte mehr und mehr Folk-Musik spielen und es den jungen Leuten vorstellen".
2002 sollen japanische Instrumente ein Teil in den Stundenplänen der Mittelschulen werden, wofür sich die beiden Brüder stark einsetzen, indem sie in Schulen spielen. Denn viele Kinder kennen kaum japanische Instrumente, da sie keinen großen Bezug dazu haben.
Die Japaner hören verschiedene Typen von populärer Musik. Außer japanischer Popmusik, welche durch eine große Fangemeinde unterstützt wird, gibt es auch Jazz und Pop aus Amerika, Chansons (Frankreich) und lateinamerikanische Musik. In kurzer Zeit haben Rock, Pop, Soul, Folk-Musik und RMB aus USA besonders bei den jungen Japanern eine gewisse Popularität erlangt.
Wie schon oben erwähnt ist aber die vom Publikum am meisten unterstützte Musik der japanische Pop. Die Leute mögen es nicht nur, diese Musik im Radio zu hören, im Fernsehen zu sehen oder auf Konzerten zu genießen, sondern singen sie auch selbst (Karaoke).
1919 bis in den 20ern etablierte sich diese Richtung. Es kam von der Musik, welche eigentlich für die Schulausbildung verwendet wurde. Die Tonfolge, die in Schulmusik und Kayoukyoku einfließt, findet man im westlichen und japanischen Tonfolgen wieder. Die Melodien basieren auf der 12-Ton-Technik. Charakterisiert wird es durch den Bass und die Melodienoten, die auch oft in traditionellen Volksliedern und in Shamisen-Musik vergangener Zeiten vorkommen. Während solche Grundstile als Hauptelemente von Kayoukyoku beibehalten werden, hat sich ihre Form durch den Einfluss der westlichen populären Songs erweitert. Durch eine solche Auswahl des neuen Stils sind Melodien verfeinert worden und der Rhythmus wird durch starken Takt geschlagen.
Einen entscheidenden Einfluss hatten in den 60ern die englische Popgruppe „Beatles" und amerikanische Volkssänger wie Peter, Paul und Marie, „The brothers four" und Joan Baez auf die damalige Jugend gehabt. Die „frostering"-Ideen von Harmonie und dem tiefen Betreff für die Inhalte vom Rhythmus gingen als keine originalen Bestände in die ?japanische Musik ein. Ausgehend von der Methode die eigenen Gefühle und Meinungen innerhalb eines Liedes auszudrücken, hatte die Jugend begonnen ihre eigenen Stücke und Texte zu komponieren und sie selbst zu spielen. Viele Amateurgruppen bildeten sich. Verschiedenste Rock- und Folk-Bands begannen Konzerte in allen Teilen Japans zu geben. Schnell fanden sie viele Anhänger und perfektionierten ihre eigene Musik. Das war die Geburt der neuen japanischen Musik.
Als eine besondere Art der zeitgenössischen Musik sind die Taiko-Trommeln zu erwähnen. Taiko ist ein sehr altes Instrument und hat ihren japanischen Ursprung auf der Insel Sado, wo sich eine Gruppe junger Männer versammelte, um die Menschen wieder für die volkstümliche japanische Musik zu interessieren. Von diesen Zeitpunkt an verbreiteten sich die Klänge der Trommeln und der Bambusflöten, des Shamisens und der Zympeln durch alle Kontinente. Allerdings wirklich entstanden sind sie in China und Korea.
Dieses traditionelle Trommeln ist eine Synthese aus Rhythmus, Power und Spirit. Ihr Schlag ist im Takt des menschlichen Herzens. Das Herz und die Taiko-Schläge harmonieren zusammen. Einst begleitete sie die Menschen auf dem Schlachtfeld und ebenso auf Festen. Sie vereinte alle Kräfte bei der harten Arbeit und man beschwor die Götter mit donnernder Stimme.
Japan hat in seiner Geschichte viele kulturelle und spirituelle Schätze hervor gebracht. Einer davon ist Taiko.

Es ist schade, dass die japanische Musik im Westen kaum bekannt ist, obwohl sie wirklich eine Vielzahl von wunderbaren Werken hervor gebracht hat. Sicherlich, für den einen oder anderen mag die Musik etwas ungewohnt sein, und einen komischen Klang haben. Aber da man im Leben oft auf Neues stößt und man es an sich heran lässt und lassen muss, so sollte man nicht bei der japanischen Musik damit aufhören. Denn wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, merkt man schnell, wie diese Musik einem bewegen kann. Japanische Musik scheint auf den Gefühlen der Textschreiber und Sänger zu basieren, die so wieder gegeben werden. Die Musik hat eine weitaus tiefere Bedeutung als man es beim ersten Mal vermuten kann. Und trotzdem gewinnt es außerhalb von Japan wenig an Popularität.
Daher kann man nur hoffen, dass sich das nicht bis in die Ewigkeit hinzieht und die Menschen merken, welch faszinierende Musik Japan hervorgebracht hat. Und solange es Menschen gibt wie du und ich, die diese Besonderheit erkannt haben, solange wird auch die Chance bestehen bleiben, dass eines Tages auch andere Menschen das erkennen werden.
© Doreen Dost, 2001

