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Kagura - Tanztheater

1. Definition 3. Musik

2. Tänze

4. Kostüme und Requisiten
a) Zeremonielle Tänze 5. Traditionelles u. modernes Kagura
b) No - Tänze 6. Kagura-Wettbewerbe

 

1. Definitionen aus dem Lexikon

    • Kagura - shintoistische Darbietung oder Ritual, dessen Ursprung vermutlich vor dem dokumentierten frühen 9. Jh. liegt und zugleich landläufiger Begriff für jegliche festliche Aufführung im lokalen Shintô-Schrein - dies wird auch als Anrufung der Götter und Fürbitte für ein verlängertes Leben, dem Tanz und/oder Gesang folgen, verstanden.

    • Bei Kagura handelt es sich um Musik und Tänze, mit denen den Göttern gedankt und ihr Wohlwollen erbeten wird.

Kagura ist also eine traditionelle Darbietung in Form von Tänzen und Gesängen, mit denen eine Geschichte erzählt wird. Sie entwickelte sich aus Vorführungen in Schreinen, mit denen die dort verehrte Gottheit unterhalten und gewogen gehalten werden sollte.

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2. Die Tänze

a) Zeremonielle Tänze

Zeremonielle Tänze laden die Götter in die Veranstaltungshalle eine und widmen ihnen die Vorführungen. Menschen, die unter dem Schutz einer lokalen Gottheit stehen, nutzen diese Tänze, um diesem für reichhaltige Ernte im Herbst zu danken und weitere Gunst zu erbitten. Daher werden die zeremoniellen Tänze vor allen anderen aufgeführt und sind die wichtigsten Tänze im Repertoire einer jeden Kagura-Gruppe. Elemente der zeremoniellen Tänze können in jedem weiteren Tanz, den eine Gruppe vorführt, wiedergefunden werden und bilden die Essenz des Kagura. Es ist üblich zeremonielle Tänze auch aufzuführen, wenn man nicht in einem Schrein tanzt.

b) No-Tänze

Wenn die zeremoniellen Tänze beendet sind, geht die Tänzer zu den No-Stücken über. Die Reihenfolge der Vorführung hängt von der einzelnen Kagura-Gruppe ab, jedoch im allgemeinen kann, nachdem die Götter unterhalten wurden, die Vorführung für die Menschen beginnen.
Viele Kagura-Tänze beruhen auf Volksagen und Legenden aus verschiedenen Regionen Japans oder historischen Ereignissen. Eine Nacht mit Kagura endet immer mit einem unterhaltenden Tanz mit einer klaren Storyline.

Die Geschichten im Kagura werden durch das Verbinden einzelner Momente erzählt.
Im Kagura gibt es viele „Momente“, in denen der Zuschauer in den Bann des aufgeführten Tanzes gezogen wird. In diesen Momenten verstehen die Zuschauer die Essenz des Kagura. Kagura-Vorführungen werden danach bewertet, wie gut die Tänzer diese Momente ausführen können.

Kagura-Aufführung

Aber als Zuschauer hält man nicht nur die Atem an, wenn ein besonders spannender Tanz ausgeführt wird. Man ist auch beeindruckt von der Musik, von der Position der Requisiten, wie die Tänzer miteinander interagieren und, vor allem, wie sie alle den selben Geist widerspiegeln.

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3. Die Musik

Kagura-Aufführungen werden gewöhnlich von einem Musikerquartett begleitet. Als Instrumente werden eine große Taiko (Trommel), eine kleine Taiko, Zimbeln und eine Bambusflöte verwendet. Im Gegensatz zu den Darstellern, die ausschließlich Männer sind, sind unter den Musikern auch Frauen.

Die kleine Taiko und die Zimbeln geben den Rhytmus an, die große Taiko setzt Akzente und die Flöte trägt die Melodie.

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4. Kostüme und Requisiten

Ursprünglich waren die Kostüme, die in ganz Japan getragen wurden, ziemlich einfach und nur mit Blumen oder abstrakten Mustern bestickt. Aber mit der Entstehung des theatralischen Tanzes erschienen konkrete Motive wie Drachen, Tiger und Dämonen und es wurden Gold- und Silbereinlagen verwenden, so dass die Kostüme immer aufwendiger wurden und heute mehrere zehntausend Euro kosten können. Viele Tänze werden auch mit der Absicht aufgeführt, die Kostüme zu zeigen.

Die Veränderungen der Kostüme beeinflussten in großem Maße ihren Gebrauch auf der Bühne und die Aufführung an sich. Zuallererst mussten die Bühnen vergrößert werden, um ihnen Platz zu bieten. Bühnenvorhänge wurde bestickt oder mit Einlagen versehen und die Beleuchtung wurde so verändert, dass sie die Tänzer betont.

Einige Gruppen haben auch begonnen, Spezialeffekte und andere moderne Technik zu verändern, um Kagura zu modernisieren. Durch seine Anpassungsfähigkeit, wird Kagura weiter von Menschen allen Alters genossen.

Es wird oft gesagt, dass so etwas wie Kagura nicht ohne Requisiten aufgeführt werden kann. Kagura ist eine Kunstform, die über viele Generation geschaffen wurde, und seine Beziehung zur Natur ist sehr stark. Wenn man diese Beziehungen im Blick behält, wird die symbolische Bedeutung einer jeden Requisite einleuchtend. Zu Beginn einer Kagura-Aufführung hält der Darsteller der zeremoniellen Tänze einen Gohei (Reinigungsstab). Er sieht aus wie ein Farmer, der seinen Reis erntet. Seine Aufgabe ist schwierig, aber die Belohnung ist groß. Der Reis ist ein Geschenk der Götter. Der Gohei ist ein Symbol für jemanden, der in Harmonie mit seiner Umgebung lebt.

Der Fächer, den die schönen und bezaubernden Jungfrauen benutzen, erinnert an Blüten, die im Wind tanzen.

In der Geschichte der achtschwänzigen Schlange sagt man, das Verschlingen der Schlange der sieben Töchter nacheinander stellt ein Feld dar, dass überflutet wird. Nachdem die siebente Prinzessin gefressen wurde, verbleibt ihr Seidenschal im Maul der Schlange. Er erinnert an an ihren Tanz vorher in der Aufführung und vergrößert die Ehrfurcht vor der Natur.

Der Höhepunkt der meisten Aufführungen ist der Kampf zwischen Dämonen und Göttern. Die Requisiten dieser Szenen umfassen Speere, Schwerte und Bögen. Da diese benutzt werden, um gefährliche Monster und Vögel zu beseitigen, sind sie eine wichtiger Teil der Aufführung.

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5. Modernes und traditionelles Kagura

Im traditionelle Kagura stimmen die Tanzschritte gewöhnlicherweise nicht mit der Musik überein. Modernes Kagura betont die Harmonie zwischen Lied und Tanz und ist somit angenehmer zu sehen und zu hören. Mittlerweile ist eine Veränderung in diese Richtung auch im traditionellen Kagura festzustellen. Dies wird nicht mit der Absicht getan, traditionelles Kagura zu verändern, sondern um es zu fördern und zu bewahren. Seine Grundlagen werden weiterhin strikt erhalten.

"Ich begann in der fünften Klasse, Kagura zu lernen. Ich kopierte die Liedtexte aus einem Buch, in dem sie nur in Silbenschrift geschrieben waren und prägte mir dann genau ein, wie die Älteren sie sangen. Ich verstand nie die Bedeutung der Texte."

Auf diese Weise wurden die Liedtexte viele Generationen lang weitergegeben, so dass vermutlich auch in den Textbüchern viele Fehler enthalten sind.

Die Liedtexte von modernem Kagura sind klarer als die vom traditionellen, so dass man der Erzählung leichter folgen kann. Oft wird überlegt, warum man die Lieder nicht auch im traditionell Stil klarer machen kann. Ursprünglich waren die Liedtexte eindeutig, aber da sie immer nur im Gedächtnis eingeprägt wurden ohne sie niederzuschreiben, wurden Fehler gemacht und die Bedeutung ging verloren. Daher ist es für die Mitglieder der Kagura-Gruppen wichtig, die Bedeutung hinter den Texten zu verstehen und sie durch ihre Tänze zu vermitteln.

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6. Kagura-Wettbewerbe

Seinen aktuellen Aufwind verdankt Kagura vor allem den häufigen Kagura-Festivals, bei denen jede Gruppe einen ihrer 18 Tänze bis zu tausenden Zuschauern zeigt. Fünf bis sechs Jurymitglieder bewerten dabei jede Darbietung.

Erste Festivals fanden nach dem 2. Weltkrieg statt, der Begriff “Kagura-Wettbewerb” stammt aus den späten Vierzigern der 19. Jahrhunderts. In heutiger Zeit werden Kagura-Wettbewerbe in vielen Städten abgehalten. Diese Festivals werden meist von den örtlichen Handelskammern und lokalen Kagura-Gruppen getragen.

In den Vierzigern des vergangenen Jahrhunderts waren Aufführungen der hohen Künste sehr beliebt und Kagura war oft ein Bestandteil des Programms. Die besten Kagura-Gruppen rangen miteinander um die beste Aufführung des Tages. Einige Gruppe begannen Tänze aufzuführen, die vorher keiner gesehen hatte. Aber da die ersten Preise immer an Gruppen gingen, die neue Tänze aufführten, beendeten traditionelle Kagura-Darsteller ihre Aufführungen.
Dies wurde bald als dem Zweck der Wettbewerbe, welcher ist, Kagura zu bewahren und zu fördern, widersprechend angesehen und so wurden die Bewertungsprozeduren standardisiert und die Name „alter Stil“ und „neuer Stil“ wurden den Vorführungen zugeordnet, um neue Tänze von traditionellen zu unterscheiden. Neue und alte Tänze wurden ebenso nun getrennt bewertet.

Kagura-Festivals spielen eine wichtige Rolle, um das Bewusstsein der Menschen für Kagura zu stärken und sind außerdem eine Möglichkeit es zu bewahren. Wettbewerbe führen außerdem zur Verbesserung des Kagura.

Ein Beispiel: In der Vergangenheit haben sich die Musiker, die die Tänzer begleiten, vor den Aufführungen betrunken, Handtücher als Kopftücher verwendet oder ihre Beine ausgestreckt. Heutzutage tragen Musiker weiße Roben, Kopfbedeckungen der Krieger und Hakama. Wenn sie nicht in diesem Aufzug erscheinen oder sich nicht angemessen bei einem Wettbewerb verhalten, werden Punkte abgezogen. Dadurch begannen die Musiker sich auch bei Aufführungen ohne Wettbewerb angemessen zu verhalten. Ordentlich gekleidete und respektvolle Musiker wurden zu einem wichtiger Bestandteil der Kagura-Aufführungen.

Es ist sehr schwierig, eine Kagura-Vorführung zu bewerten. Man muss sich danach richten, wie genussvoll sie ist und wie gut sie die Essenz der Erzählung bewahrt hat. Die Punktzahl soll die aktuelle Darbietung widerspiegeln.

Dabei muss im Auge behalten werden:

  1. Gruppen trainieren, um die Anforderungen, die im Bewertungsformularabgedruckt sind zu erfüllen
  2. Jede Gruppe hat zu Beginn automatisch 100 Punkte und bekommt dann für jeden Fehler Punkte abgezogen. Es geht also nicht darum, wie viele Punkte man bekommt sondern wie viele man verliert. Dies gibt wieder, wie gut die Gruppe trainiert hat.

Ein Mitglied jeder Kagura-Gruppe muss der Eröffnungs- und Abschlusszeremonie beiwohnen, um sicherzustellen, dass für die Aufführung an diesem Tag alles in Ordnung ist. Während der Eröffnunszeremonie schwören die Mitglieder aller Gruppen, dass sie ihr Bestes geben, dass die Veranstaltung glatt verläuft und dass die Würde aller Gruppen bewahrt wird.

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Quellen:

  • Zero One Co.Ltd, Chiyoda (Japan): Fire Dance. A Photograph Collection; 2003
  • 56. Kagura-Festival 2004 in Chiyoda

 

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