Harakiri - Seppuku
| 1. Einleitung | 5. Heute |
| 2. Harakiri / Seppuku | 6. Tatsachenbericht |
| 3. Anlässe | 7. Bilder |
| 4. Zitiert |
1. Einleitung
Es wird gesagt, Japaner sind ein vorbildliches Volk, mit all ihren
moralischen Werten und ihrer Disziplin, die sie wirklich in hohen
Maße besitzen.
Kaum aber weiß, dass die Wahrheit noch eine 2. Seite in sich
verbirgt, die an einzigartiger Grausamkeit und Entsetzen kaum überboten
werden kann. Sicherlich ist die Außenwelt geschockt, wenn sie
erfahren müssen, wie die Japaner mit ihren eigenen Leben und
die des anderen umzugehen pflegen. Und dennoch wird diese Überraschung
an neu gewonnen Erkenntnisse die einzige Auswirkungen für die
ausländischen Japan-Interessierten sein.
Hara Kiri bedeutet: "Hara" = Bauch und "Kiri" = öffnen. Ein anderes Wort dafür ist "Seppuku" = glücklicher Abschied. Beide Wörter stehen für den japanischen Selbstmord.
Es ist ein unglaubliches Ritual, das damit beginnt, sich auf ein Kissen zu knien, den weißen Kimono vom Oberkörper gleiten zu lassen und schließlich sich ein letztes Mal seinen Geist zu sammeln. Dann wird ein Wakizashi-Schwert aus der Scheide gezogen. Das Wakizashi-Schwert wird in die linke, untere Hälfte des Bauches gestoßen und mit einem waagerechten Schnitt die Bauchdecke geöffnet. Als besonders gelungen gilt, wenn man noch einen zweiten, nach oben geführten Schnitt, beenden konnte. Meist wird das Ritual mit einer Enthauptung, durch einer anderen Person, beendet. Ebenso ist es Tradition, Zeugen, wie Verwandte und Freunde, an der Zeremonie teilnehmen zu lassen.
Dieses Selbstmord-Ritual entwickelte sich vom 12. Jahrhundert an, in der Zeit der Samurai. Sie lebten auf den Kampf hin, in dem ein einziger Fehler jäh den Tod bedeuten konnte. Deshalb betrachtete der Samurai jeden Tag als seinen letzten.
Anlässe für den rituellen Selbstmord gab es jedenfalls
genug. Selbstmord auf freiwilliger Basis oder als Strafe befohlen.
Die gängigsten waren Junshu, Kanshi und Sokotsu-shi:
- "Junshu" bedeutet verschwenderisch. Durch Hara Kiri folgte
man den verstorbenen Herrn in den Tod.
- Kanshi ist Selbstmord aus Protest. Wenn alle Versuche der Beeinflussung
oder Überzeugung gegenüber dem Dienstherren gescheitert
waren, blieb nur noch Hara Kiri.
- Sokotsu-shi ist die bekannteste Ursache für Hara Kiri. Man
praktizierte es für Wiedergutmachung oder Selbstbestrafung für
einen begangenen Fehler.
"Das Schwert ist die Seele der Samurai und die Treue zu seinem Herren seine Ehre - wer beide verliert, dem soll nicht verziehen werden"
"Das Schicksal ist im Himmel, die Rüstung vor der Brust,
der Erfolg in den Beinen. Geh siegesgewiss auf das Schlachtfeld, und
du wirst ohne Wunden zurückkehren. Stehe mit dem Willen zu sterben
in der Schlacht, und du wirst leben. Wünsche zu überleben,
und du wirst sicher den Tod finden. Verlässt du das Haus, entschlossen,
es nicht wiederzusehen, wirst du sicher zurückkehren; hast du
Gedanken an die Rückkehr, wirst du nicht zurückkehren. Es
mag nicht falsch sein, zu denken, daß die Welt immer veränderbar
ist. Ein Krieger aber darf nicht auf diese Weise denken, denn sein
Schicksal ist immer vorherbestimmt."
(Uesugi Kenshin, 1530-1578)
Heute gibt es immer noch eine große Anzahl von Selbstmördern,
deren Zahl rapide steigt . Die Gründe sind wirtschaftliche Schwierigkeiten,
berufliche Aussichtslosigkeit, familiäre oder Beziehungs-Probleme
und wenn sie ihr Gesicht verlieren, was nicht selten passiert.
Sicherlich, Hara Kiri ist kaum noch als Todesursache in Japan zu finden.
Tatsache ist aber, dass es existiert und sogar über Japans Grenzen
hinaus geschritten ist. Nur werden die Regeln, wie bei den Samurais,
wenig befolgt und kommen somit mit ihrer Grausamkeit dem wirklichen
Hara Kiri nicht annähernd heran. Wie in einem Buch erläutert,
übte ein ausländischer Mann Hara Kiri mit fast allen Regeln
aus. Das ist ein Beispiel das uns zeigt, das dieses Ritual noch lange
nicht am Aussterben ist.
6. Tatsachenbericht über Hara Kiri aus dem Buch "Die Spiele der Toten" von Hans Pfeiffer
"Hara Kiri"
Als der Gerichtsmediziner das Badezimmer betrat, fand er den Mann
auf dem Fußboden ausgestreckt. Neben ihm hatte sich eine Blutlache
ausgebreitet Der Mann war noch bei Bewusstsein und hielt ein Rasiermesser
in der Hand. Er hatte mit zwei Schnitten seinen Unterleib aufgeschlitzt
und die herausgequollenen Därme abgetrennt. Der Magen hing teilweise
aus der Wunde heraus, ebenso noch ein beträchtliches Stück
Darm. Neben dem linken Oberschenkel des Mannes lagen die abgeschnittenen
Geschlechtsteile.
Trotz dieser schrecklichen Wunden konnte der Verletzte noch sprechen
und dem Arzt erklären, warum er es getan hatte.
Sir Sidney Smith, der damals als Gerichtsmediziner in Ägypten
arbeitete, berichtete in seinen Memoiren von diesem bizarren Selbstmord:
"Nachdem ich ihm Morphium gegeben hatte, tat ich die Eingeweide,
so gut ich konnte, mit einem Assistenten wieder an ihren Ort. Ich
erwartete einen sofortigen Tod, aber nichts dergleichen geschah. Daraufhin
verbanden wir ihn, bestellten einen Krankenwagen, und erst, als er
im Krankenhaus ankam, tat er seinen letzten Atemzug."
Zuvor hatte der Mann dem Arzt das Motiv für seinen absonderlichen
Selbstmord genannt. Der Selbstmörder, ein Tscherkesse, sollte
für seinen Arbeitgeber eine Zehnschilling-Geldnote wechseln gehen.
Unterwegs hatte er den Geldschein verloren. Für uns, sagte Smith,
eine Lappalie. Der Tscherkesse nahm sich das so zu Herzen, dass er
auf diese grauenhafte Weise an sich herummetzelte. Sicherlich, so
ließe sich noch hinzufügen, eine archaische Form der Selbstbestrafung.
Die Samurais, mit ihren Schwertern, ihren kalten Augen und mit den Willen, alles zu tun, was getan werden muss. Selbst wenn es den Tod bedeutete, sie blieben ihren Gesetzen treu. Es gibt einige Filme, die über diese Grausamkeit erzählen. Die Augen werden vor diesen Tatsachen nicht geschlossen...

Auch berühmte Zeichner und Künstler sprachen in ihren Werken diese Thematik an. Das Bild zeigt ein Mann, der einen rituellen Hara Kiri betreibt, unter Aufsicht zweier Personen. Der Mann, der hinter ihm steht, zieht schon sein Schwert, um ihn nach dem Hara Kiri zu enthaupten. Eine Zeremonie mit allen Regeln des Hara Kiris....

(c) Doreen Dost 2001
Lesetipp: Morris, Ivan: Samurai oder von der Würde des Scheiterns, Insel Taschenbuch Verlag

