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Die japanische Seifenblase

1. Vorbemerkungen 4. Ursachen
2. Entwicklung 5. Folgen
3. Spekulation 6. Entgegenwirken

Einige Vorbemerkungen:

  • Spekulation ist die künstlicher Erhöhung eines Preisniveaus über reale fundamentale wirtschaftliche Niveaus.
  • Der Zins ist der Preis von Geld und Geld ist eine handelbare Ware.
  • Geldkreislauf: Die Zentralbank ist die Bank der Banken, sie darf Geld drucken, steuert den Geldumlauf durch Eingabe unterschiedlicher Mengen Geld in das Bankensystem.

  • Der Wechselkurs ist der Preis einer Währung gemessen in einer anderen. Wechselkurse bilden die unterschiedliche Wirtschaftsleistung zweier Staaten ab sowie deren Wirtschaftsgefälle und wirtschaftlichen Abstand auf realwirtschaftlicher Ebene. Dementsprechend beeinflussen im Devisenhandel Angebot und Nachfrage auf dem Geldmarkt den Geldstrom zwischen den Ökonomien.
  • Spekulationsobjekt ist das, was nur in begrenzter Menge bzw. kurzfristig nur in unveränderlicher Menge zur Verfügung steht. Es sind also knappe Güter, die allseits begehrt sind.
  • In Japan basiert die Wirtschaft hauptsächlich auf Fremdkapital und diese Kreditversorgung steht auf kurzfristiger Basis. Kredite werden für ein Jahr aufgenommen und danach mit den neuen Bedingungen am Kreditmarkt verlängert, d.h. es liegen revolvierende kurzfristig angelegte Kredite bei den Unternehmen.
  • Unternehmen sind Gewinnmaximierer und Politiker Stimmmaximierer.
  • Kleine Erklärung zu Angebot und Nachfrage: Shoubu's Special.

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Entwicklung

In den 80er Jahren fand eine von den realen wirtschaftlichen Verhältnissen losgelöste Dollarerhöhung statt. Daher fand am 22.9.1985 ein G5- Finanzminister und Regierungscheftreffen statt, um koordinierte Maßnahmen der Zentralbanken der beteiligten Länder zu erarbeiten, um den Dollar zu schwächen. Die Devisenreserven an Dollar der Zentralbanken sollten auf den Devisenmarkt gegeben werden, wodurch das Angebot erhöht werden sollte. Die Folge war, dass der Kurs des Dollars sank, jedoch stellte dies ein Problem für die Exportnation Japan dar, deren Exporterlöse zu 80 Prozent in Dollar abliefen.

So fand im Oktober 1986 ein Treffen zwischen den beiden Finanzministern Baker, aus den USA, und Miyasara, aus Japan, statt, da die Schwächung des Dollars nicht erfolgreich war. Weiterhin war ein zentrales der USA die Schwächung des japanischen Exports gewesen, was aber ebenfalls nicht geklappt hatte. 1987 trafen sich die G7 dann in Paris und schlossen das Louvre-Abkommen, das durch den schwarzen Montag an den amerikanischen Börsen von 1987 geprägt war und die Aufwertung des Dollars sowie eine Schwächung des Yen beinhaltete. Hierbei fiel der Zentralbank Japans die Aufgabe zu, durch Gelddruck das Angebot zu erhöhen. Ausgelöst durch die Bewegungen am Devisenmarkt setzte nun einen Ausweitung der Geldmenge in Japan ein. Es wurde Geld gedruckt und durch Zinssenkungen von 5 auf 2,5 Prozent innerhalb eines halben Jahres in den Geldkreislauf eingebracht. Dadurch verbesserte sich das Investitionsklima und der Binnenkonsum stieg an. Durch die positive wirtschaftliche Erwartungshaltung wurden weitere Investitionen getätigt. Nun setzte die Spekulation ein.

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Spekulation

Im folgenden soll die Spekulation an einem kleinen Rechenbeispiel „Hauskauf“ dargestellt werden.

A) Ein Unternehmen kauft ein Haus. Davon sind 100Y Eigenkapital und 900Y werden durch ein Kredit der Bank abgedeckt, das Haus als Sicherheit eingesetzt. Das Haus besitzt einen Buchwert (d.h. in der Buchhaltung des Unternehmens) von 1000Y. Da dies dem realen Wert entspricht, ist im Pleitefall bei Verkauf des Hauses der Verlust gleich Null.

Da der Raum in Japan jedoch knapp ist, stieg der Preis für Immobilien und somit auch das Kreditpotenzial der Unternehmen.

B) Der Wert des oben gekauften Hauses steigt durch die Raumknappheit auf 2000Y. Durch den erhöhten Buchwert (das Haus wird ja nicht verkauft, aber wenn ...) kann das Unternehmen einen zusätzlichen Kredit von 1000Y aufnehmen, der ebenfalls durch dieses Haus abgesichert ist. Bei einem Verkauf im Pleitefall gehen 1900Y an die Bank und 100Y bleiben Eigenanteil. Der Verlust ist gleich Null.

Spekulation beginnt nun, wenn die Werterhöhung des Hauses nicht von Tatsachen sondern von Erwartungen geprägt ist, d.h. in den Büchern besitzt das Haus einen höheren Wert, jedoch nur aufgrund der Erwartungen ("Wenn wir das Haus jetzt verkaufen würden, bekämen wir ..."). Solange dabei der Buchwert dem Marktwert entspricht, gibt es dabei keine Probleme.

1989 aber wurde Mieno Yasushi neuer Gouverneur der japanischen Zentralbank. Aufgrund der Konjunkturwelle, der unbegrenzten Versorgung des Marktes mit Geld und den Preissteigerungen an den Aktienmärkten fürchtete dieser nun eine Inflation und erhöhte die Zinsen innerhalb eines Jahres von 2,5 auf 5 Prozent um die Geldversorgung zu bremsen. Dadurch wurden Kredite zu teuer und Zinsen nicht mehr zahlbar. Jedoch lag das Geld in Spekulationsobjekten. Da dies viele Unternehmer traf, mussten alle gleichzeitig ihre Objekte verkaufen. Durch dieses große Angebot, fiel der Preis für Immobilien (oder anderen Spekulationsobjekten) und die Kredite waren für die Bank nicht mehr abgesichert.

C) Aufgrund der Erwartungen steigt der Buchwert des Hauses weiter auf 5000Y und es kann ein zusätzlicher Kredit von 3000Y bei der Bank aufgenommen werden, d. h. das Haus ist nun mit 4900Y Kredit belastet.
Jedoch steigt plötzlich das Angebot (durch viele Verkäufe) und der tatsächliche Verkaufswert des Hauses fällt auf 2000Y zurück. Fordert die Bank nun ihren Kredit zurück und das Haus muss verkauft werden, gehen die 2000Y an die Bank, deren Verlust 2900Y beträgt.

So folgte dann etwa 1993 das endgültige Platzen dieser spekulativen Blase in Japan.

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Was machte diese spekulative Blase möglich?

Zum einen war genug Geld zum Spekulieren vorhanden, das die Zentralbank auf Wunsch der Regierung zur Verfügung gestellt hatte.

Weiterhin setzte in der Mitte der 80er Jahre eine Konkurrenz unter den Banken ein. Diese weiteten ihre Kreditvolumina aus und gaben in großen Mengen Kredite ohne auf Sicherheiten zu achten.

Zeitweise verdienten die Unternehmen an der Spekulation mehr als durch Produktion, jedoch fanden irgendwann keine Realtransaktionen mehr statt, sondern der Preis basierte nur noch auf Erwartungen.

Es fehlt die Kontrolle durch den Gesetzgeber und welcher wiederum Einfluss auf die Zentralbank hatte. Ebenso fehlte eine Gesetzgebung für die Banken hinsichtlich der Kreditsicherung. Auch konnten die Banken ihre Kreditarrangements nicht kontrollieren (was? welches Risiko?).

An dieser Spekulation waren vor allem große Unternehmen beteiligt, die mit Krediten spekulieren konnten.

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Folgen

Das „Zerplatzen“ der Seifenblasen-Wirtschaft führte zu Banken- und Wertpapiergesellschaftspleiten sowie zu Pleiten und Folgepleiten im Unternehmensbereich. Daraufhin reduzierten die Banken ihre Kreditvergabe massiv aus Angst vor faulen Krediten („credit crunch“). Von diesen Folgen war besonders der Mittelstand betroffen.

Wie wirkte der Staat dem entgegen?

Der Staat reagierte auf diesen Einbruch der Wirtschaft durch Zinssenkungen und ein keynesianisch* geprägtes Auffangverhalten. Dadurch wurden das spekulative Preisniveau künstlich aufrecht erhalten und die Staatsfinanzen marode. Japan ist mit 126 Prozent des Bruttoinhaltsprodukt staatsverschuldet. Mitte der 90er sollte durch Gesetzesänderungen und Steuerreformen die Angebotsseite verbessert werden, allerdings wurde zeitgleich die Mehrwertsteuer angehoben.

* d. h. der Staat erhöht seine Ausgaben und Investitionen und tritt als Groß-Nachfrager auf.

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Quelle

  • Vorlesungsmitschrift: M. Naundorf: Einführung in die Wirtschaft Japans, MLU Halle

 

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