Aum-Shinri-Kyo - Höchstes Glück
| Bericht | Bilder | Pressebericht | Anschläge |
Japan, in dem die rigide Tradition konfuzianische Moral Schritt für Schritt zusammenbricht, scheint in eine dunkle Welt abzusinken. 1995 schien das Land in eine chaotische Hölle einzutauchen, die geprägt waren mit den legendären Erdbeben in Kobe bis hin zu alptraumartigen Anschlägen.
Unter dem Schutz der Gesetze über Religionsgemeinschaften werden nicht nur seriöse, sondern auch viele unseriöse Gruppierungen und Sekten in Japan gebildet. Der Respekt gegenüber religiösen Vereinigungen ist dadurch in Frage gestellt wurden, die als Folge strengere staatliche Kontrollen hat.
Shoko Asahara, der früher als Heilmittelhändler, Akupunkteur und Yoga-Leherer arbeitete, gründete 1987 die Aum-Sekte. Diese Sekte ist die gefährlichste und gleichzeitig auch die reichste überhaupt in Japan. Über 10 000 Japaner und 25 000 Russen werden als Anhänger gezählt. Auch in anderen Ländern fanden sich schon Mitglieder, was die Aum-Sekte zu einer weltweiten Sekte macht.
„Aum-Shinri-Kyo“-Sekte bedeutet übersetzt: höchstes Glück.
Alle Mitglieder müssen ihr bürgerliches Leben aufgeben, ihr gesamtes Vermögen den Führer übergeben und den absoluten Gehorsam versprechen.
Warum Mitglieder das mit sich machen lassen, ist ihr Glaube. Asahara prophezeite eine Katastrophe, die besagt: 1997 beginnt sich eine Katastrophe über die ganze Welt auszubreiten. Lediglich 20 % der Menschheit, darunter die Aum-Jünger, werden die Apokalypse überleben und in eine neue, bessere Welt gelangen.
Andere werden unfreiwillig zu einem Mitglied gemacht. Meist sind es einflussreiche und reiche Leute. Man praktiziert Gehirnwäsche durch Drogen, die den Geist des Menschen beeinflusst. Welche Methoden die Menschen aber am meisten in Erstaunen versetzt, ist der Einsatz von Elektroden. Das Gerät kann das Gedankengut beliebig verändern und kontrollieren.
Asahara verfolgt damit das Ziel, einen eigenen Staat innerhalb Japans zu errichten und als ein göttlichen Kaiser zu fungieren. Schon bevor er die Sekte ins Leben rief betätigte er sich politisch, allerdings ohne Erfolg. Doch durch die Sekte kann er, in ihrem Kreis, seine Ziele weiterverfolgen, ohne sich dabei von der Öffentlichkeit auf die Finger schauen zu lassen.
Warum wurde eigentlich der Rechtsanwalt Tsutsumi Sakamoto mit samt seiner Familie 1989 ermordet?
Der 37 jährige Gründungsmitglied Kazuaki Okazaki, der 43 jährige Sektenführer Asahara und 5 weitere Mitglieder stehen unter Mordverdacht. Denn es gab ein gutes Motiv: Der Rechtsanwalt Sakamoto ermittelte im Auftrag von Eltern, die ihre Kinder aus der Sekte befreien wollten. Asahara sah eine Gefahr für seine Sekte und seinen Zielen durch die Ermittlungen und löste es auf diese grausame Art.
Dieser Fakt zeigt nur all zu deutlich, wie unberechenbar sie sein können, stellt sich einer ihnen in den Weg.
Dadurch, das über die Aum-Sekte verstärkt ermittelt wird und viele Rätseln und Straftaten aufgedeckt werden, wie die Presseberichte zeigen, ist die Sekte sehr geschwächt worden. Sie könnte durchaus aufgelöst werden, bald nicht mehr existent sein. Doch dies ist eher unwahrscheinlich. Zu viele Jünger stehen noch hinter dieser Sekte und würden alles tun, um ihren Glauben nicht zu verlieren.
Uns bleibt nur abzuwarten was passiert.
Die Auswirkungen des U-Bahn-Anschlages 1995 in Tokio. Viele Menschen wurden verletzt, einige starben sogar durch diesen grausamen Akt der Aum-Sekte. Es sind Bilder, die die Menschen nie vergessen werden, die dies mit eigenen Augen erleben mussten. Dies war nur der erste Streich der Sekte, mit dem sie sich der Öffentlichkeit vorstellte.

Der 37 jährige Kazuaki Okazaki, ein Gründungsmitglied der
Aum-Sekte, wurde Anfang September 2001 durch die Regierung zum Tode
verurteilt. Es ist ein Präzedenzfall, da in Japan die Todesstrafe
eigentlich nicht angewendet wird.
In seinem Gesicht scheint man sehen zu können, wie unbarmherzig
er ist - zu jeder Schandtat bereit.

Zeitungsausschnitt aus "Yahoo! Schlagzeilen" vom Donnerstag, den 30. August 2001
"Japanische Sekte wollte Tokyo vergiften"
1996 jagte eine schreckliche Nachricht über die Presseagenturen dieser Welt. Die Japanische Aum-Sekte hatte das Nervengas Sarin in die U-Bahn Schächte von Tokio geleitet und dabei 12 Menschen in den Tod gerissen. Schlimm genug, doch jetzt wurde bekannt, dass die Sekte offenbar eine noch größere Katastrophe herbeiführen hätte können. Sie besaß nämlich das Know-How, um das tödliche Gift Anthrax zu erzeugen und anzuwenden, so Hiroshi Takahashi vom japanischen Nationalen Institut für Infektionskrankheiten.
Die Sekte kultivierte die Bakterien in großen, mit Flüssigkeit gefüllten Tonnen im Kellergeschoss eines achtstöckigen Hochhauses in Kameido, einem Vorort in Tokio. Im Juli 1993 wurde diese Flüssigkeit dann auf das Dach des Hochhauses gepumpt und langsam in die Luft gesprüht. Sofort gingen bei der lokalen Polizei Anrufe von verärgerten Nachbarn ein, die sich über den schlechten Geruch belästigt fühlten. Doch der Polizei waren die Hände gebunden, untersagte doch ein Gesetz zum Schutz religiöser Gruppierungen eine Hausdurchsuchung.
Einzig ein paar Proben der versprühten Flüssigkeit konnten eingesammelt werden. Diese Proben wurden jetzt von Wissenschaftlern der Northern Arizona University untersucht - mit erschreckenden Ergebnissen. In der Flüssigkeit befanden sich nämlich Unmengen an Anthrax Bakterien. Sofort durchgeführte DNA-Analysen ergaben, dass es sich dabei um Bakterien eines glücklicherweise ungefährlichen Anthrax-Stammes handelt.
Gefährliche Anthrax-Bakterien rufen den gefürchteten Milzbrand hervor. Schon ein Löffel reicht dabei aus, um tausende Menschen zu töten. Die Keime dringen über Magen, Lunge und sogar über kleinste Hautverletzungen in den Körper ein und führen zu Fieber, Blutvergiftung oder Hirnhautentzündung. Unbehandelt treten nach wenigen Tagen schwarze Pusteln, Brechreiz und Fieber auf, worauf der Tod folgt.
Für Timothy Smith, einen beteiligten Forscher, ist völlig klar, dass die Aum-Sekte das Ziel verfolgte, einen absolut tödlichen Anthrax-Stamm zu züchten. Die einsetzenden polizeilichen Untersuchungen dürften sie allerdings davon abgehalten haben. "Zweifellos wären Menschen krank geworden und wahrscheinlich gestorben, hätte die Aum-Sekte einen tödlichen Stamm verwendet", so Smith gegenüber New Scientist.
Die jüngsten Ereignisse haben nun zweierlei Bedeutung. Die gute Nachricht ist, dass die Herstellung tödlicher Anthrax-Bakterien für terroristische Organisation offensichtlich höchst schwierig ist. Die schlechte Nachricht ist, dass es durchaus versucht wird.
| ? | Aufruf zum Massenselbstmord -> Folgen sind nicht bekannt |
| 1989 | Mord an dem Rechtsanwalt Tsutsumi Sakamoto und seiner Familie |
| 1993 | gefährliche Chemikalien in die Luft Tokyos gepumpt |
| 20. März 1995 | Giftgasanschlag auf die U-Bahn-Linien in Tokyo -> 12 Tote, 5000 Verletzte |
| 19. April 1995 | Attentat im Hauptbahnhof Yokohamas -> 300 Verletzte |
- -> 16. Mai 1995 Mordanklage für 9 Mitglieder
- -> Februar 1996 Auflösung der Sekte auf höchstrichterliches Urteil
(c) Doreen Dost 2001
